Lebensmittelbuch- Kommission

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat Bundesernährungsminister Christian Schmidt aufgefordert, den Evaluationsbericht über die Arbeit der Lebensmittelbuch-Kommission unverzüglich und vollständig zu veröffentlichen. Das externe Gutachten liegt dem Ministerium bereits seit Dezember 2014 vor. Rund drei Monate nach Abschluss der Evaluation konnte ein Sprecher Schmidts auf Nachfrage von foodwatch jedoch noch nicht einmal einen Termin für die Veröffentlichung in Aussicht stellen. Das widerspricht dem Versprechen des Bundesernährungsministeriums (BMEL) in Bezug auf die Evaluation der umstrittenen Kommission: "Das BMEL legt Wert auf einen offenen und öffentlichen Diskussionsprozess zu diesen Fragen und hat einen solchen Prozess deswegen selbst angestoßen."

Die geheim tagende, beim BMEL angesiedelte
Lebensmittelbuch-Kommission erarbeitet seit langem sogenannte Leitsätze zur Produktkennzeichnung und -zusammensetzung. Diese sind zwar formal unverbindlich, doch weil sich Hersteller, die amtliche Lebensmittelüberwachung und auch Gerichte an ihnen orientieren, haben sie eine mit Gesetzen vergleichbare Wirkung. 8 der 32 Mitglieder der Kommission stammen aus der Lebensmittelwirtschaft. Die Geschäftsordnung sieht vor, dass sie mit ihren Stimmen alle Entscheidungen blockieren können. In der Kritik steht das Gremium, weil es für zahlreiche irreführende Produktbezeichnungen verantwortlich ist - zum Beispiel Schokoladenpudding, der nur einen Mini-Anteil Kakao enthält, Kirschtee ohne Kirschen oder Lachs-Imitat, das unter dem Namen "Alaska-Seelachs" verkauft wird. Der Bayreuther Staatsrechtler Prof. Stephan Rixen hatte das Konstrukt einer quasi normsetzenden, aber demokratisch unzureichend legitimierten Instanz zuletzt als verfassungswidrig bezeichnet.

foodwatch forderte nun Minister Christian Schmidt auf, die
Lebensmittelbuch-Kommission abzuschaffen. "Die Kommission hat Verbrauchertäuschung in vielen Fällen erst legitmiert, verbraucherfreundlichere Standards sind am Veto der Lebensmittelwirtschaft gescheitert", erklärte Lena Blanken, Expertin für Lebensmittelkennzeichnung bei foodwatch. Zur Festegung von Produktbezeichnungen forderte foodwatch stattdessen ein demokratisches und transparentes Verfahren, bei dem zum Beispiel das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Leitsätze erarbeitet und sich dabei zuallervorderst an der Erwartung der Verbraucher, nicht an den ökonomischen Interessen der Hersteller orientiert.

Das Bundesernährungsministerium hatte im Jahr 2013 auf die Kritik an der Lebensmittelbuch-Kommission reagiert und eine externe Evaluation angestoßen. Dabei sollte laut
Ausschreibungstext die "gesamte Struktur" des umstrittenen Gremiums "auf den Prüfstand" kommen. Nach der Ausschreibung durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) erhielt die zur industrienahen AFC Consulting Group gehörende AFC Public Services GmbH den Zuschlag - gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Voit von der Philipps-Universität Marburg, dessen Forschungsstelle u.a. von Ferrero und Dr. Oetker unterstützt wird. Im April 2014 begannen sie mit der Arbeit an dem Gutachten. Auch foodwatch wurde um eine Einschätzung gebeten. Mitte Dezember 2014 wurde der Evaluationsbericht dem Ministerium überstellt, seitdem jedoch nicht veröffentlicht.

"Die Mauertaktik von Minister Schmidt ist das Gegenteil einer offenen und öffentlichen Debatte und lässt nichts Gutes erwarten", kritisierte Lena Blanken, Expertin für Lebensmittelkennzeichnung bei foodwatch. "Bei der Evaluation läuft einiges schief: Erst bekommen ausgerechnet industrienahe Gutachter den Zuschlag für die Überprüfung der Kommission, dann wird das Ergebnis monatelang nicht auf den Tisch gelegt. Es gibt keinen guten Grund dafür, das Gutachten zurückzuhalten oder erst dann zu veröffentlichen, wenn es durch die politische Mühle gegangen ist."

Quellen:
Pressemitteilung/
E-Mail Aktion foodwatch
Bundesernährungsministerium (BMEL) zur Evaluation der Kommission
Ausschreibungstext der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
foodwatch-Beitrag zur Evaluierung

Ist das eine Manufaktur?

Der Begriff Manufaktur wird mit hoher handgefertigter Qualität verbunden. Eine große Anzahl von Betrieben schmückt sich mit der Bezeichnung "Manufaktur".
Doch ist es das immer?
Seit dem 17. Jahrhundert ist dieser Begriff bekannt. Er kommt aus dem französischen bzw. englischen Begriff "manufacture" und bedeutet nichts anderes als Handarbeit. Lateinisch Manus = Hand bzw. Faktura = Herstellung.
Der 2010 in Bremen gegründete Verein
Deutsche Manufakturen e.V. bemüht sich Licht in den Dschungel zu bringen. Er setzt sich für traditionelle und hochwertige Produkte aus Handwerkskultur ein.
Auch die Initiative
Handmade in Germany widmet sich für des Thema's, allerdings eher als Marketinginstrument.
Ein Beispiel für den fragwürdigen Umgang mit dem Begriff liefert aktuell die EDEKA Nord. Aus "Liebe zum Norden" so der Slogan, wird in großen Beilagen das 111 Jahre Bestehen der Lebensmittelorganisation EDEKA Nord begannen. Immerhin gehören 720 Märkte zum genossenschaftlich oganisierten Verbund. Das Einzugsgebiet geht von Flensburg bis Uelzen und von Cuxhaven bis Pasewalk.
Um dieses Gebiet logistisch zu versorgen, bedarf es zuverlässiger Lieferanten. Und am besten gleich mit eigenen Herstellern. So ist die
Hohenwestedter Landbäckerei GmbH eine 100 % Tochter der EDEKA Nord. Die Backshops in den Edeka Märkten unter dem Namen Dallmeyers Backhus ebenfalls. Immerhin 100 Filialen. Für diese produziert die Hohenweststedter Landbäckerei die Backwaren im "traditionellen Manufakturbetrieb", so die Eigenwerbung.
Dort arbeiten immerhin 740 Beschäftigte, nach eigenen Angaben. Ist das noch eine Manufaktur ??? Der o.a. Verband "Deutsche Manufakturen e.V., der auch ein Siegel zertifiziert, definiert Firmengrößen zwischen 2 und 200 Beschäftigte sowie mindestens 50 % Handarbeit.
Mit dieser Vertriebsstruktur und dieser Großbäckerei fördert die EDEKA Nord sicherlich nicht das Handwerk, schon gar nicht das Manufaktur-Wesen.
Bleibt zu hoffen, daß der kritische Verbraucher diese Täuschung erkennt und entsprechend reagiert.

In der Schlachtbranche ist Deutschland ein Niedriglohnland

Das Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei besteht aus 14 Fachinstituten, die in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Technologie forschen und die Politik beraten. Kürzlich kam eine interessante Analyse von diesem bundeseigenen Institut, die auf Basis-Datenmaterial von EUROSTAT, dem statistischen Amt der Europäischen Union, und vom Statistischen Bundesamt ausgewertet wurde.
Schlechte Bezahlung, Einsatz von Lohnarbeitern, die Schlachtbranche steht seit längerem in der Kritik. Ein Blick auf die Kosten und Umsätze der Schlachthöfe in Deutschland und verschiedenen EU-Ländern liefert überraschende Ergebnisse. Zwischenzeitlich wurde zwar ein Mindestlohn in dieser Branche vereinbart, es wirft aber dennoch ein bezeichnendes Licht auf diesen Wirtschaftszweig, die als die Werkbank der industriellen Fleischerzeugung gilt. Vermutlich auch eine Folge der Geiz ist Geil-Mentalität.
Schlachtunternehmen in Deutschland zahlen ihren Arbeitskräften durchschnittlich 33.700 Euro brutto im Jahr. Das sind laut EU-Statistik 17 % weniger als in Frankreich und 42 % weniger als in Dänemark. Dort geben die Unternehmen 40.800 Euro bzw. 58.300 Euro je Arbeitskraft aus. Auch in den Niederlanden und Belgien liegt der Verdienst von Schlachthofarbeitern mit mehr als 40.000 Euro jährlich deutlich über dem ihrer Kollegen in Deutschland.
Zudem geben deutsche und niederländische Schlachtunternehmen ihre wirtschaftliche Leistung am wenigsten an die Beschäftigten weiter. Zu diesem Schluss kommen Ökonomen des Thünen-Instituts für Marktanalyse in Braunschweig, die ermittelt haben, wie hoch der Anteil der Personalkosten an der Bruttowertschöpfung (BWS) der Unternehmen ist. In Deutschland und den Niederlanden setzen die Schlachtunternehmen weniger als 60 % der BWS für ihre Arbeitskräfte ein. In Dänemark, Belgien und Frankreich sind es zwischen 73 und 85 %.
Ein weiteres auffälliges Merkmal der deutschen Schlachtbranche ist, dass hier überdurchschnittlich viele Leiharbeiter eingesetzt werden. In den Niederlanden verhält es sich ähnlich. Für Leiharbeiter bestand bis dato in Deutschland keine Mindestlohnregelung. Ab Sommer 2014 gilt ein bundeseinheitlicher Tarifvertrag für die ca. 100.000 Beschäftigten von 7,75 Euro pro Stunde. Er soll bis Dezember 2016 auf 8,75 Euro steigen und auch für Werkvertragskräfte gelten.
Wird Deutschland als Lohnstandort genutzt? Dann würden Schweine zum Schlachten nach Deutschland geliefert, und aus Deutschland würden Schlachthälften oder Fleischteilstücke wieder zurück in die Lieferländer gesandt. Die Außenhandelsstatistik zeigt zwar, dass gerade steigende Schlachtschwein-Importe aus den Niederlanden und Belgien Realität ist, also niederländische und belgische Landwirte zunehmend Schlachtschweine nach Deutschland liefern. Jedoch gab es keine außergewöhnlichen Zuwächse von Re-Exporten in diese Länder – die in Deutschland geschlachteten Schweine aus Belgien und den Niederlanden werden also nicht dorthin zurückgeschickt. Vielmehr vermarkten die deutschen Schlachthöfe das Fleisch unabhängig von seiner Herkunft. „Allerdings ist anzumerken, dass mehrere dänische Unternehmen Schlachtstandorte in Deutschland übernommen haben“, sagt Dr. Josef Efken vom Thünen-Institut für Marktanalyse. Die Vermutung liegt nahe, dass die günstigen Arbeitskosten ein Grund für diese Entscheidung war.

Die Deutschen trinken immer mehr Mineralwasser

VDM_Branchendaten2012-Pro-Kopf-300dpi Der Pro-Kopf-Verbrauch von Mineral- und Heilwasser lag im Jahr 2012 bei 137 Litern. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung des Verbrauchs um 1,3 Liter. Dies gab der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) in Bonn bekannt.
Die deutschen Mineralbrunnen blicken auf ein erfolgreiches Jahr 2012 zurück: Insgesamt füllten sie 10,3 Milliarden Liter Mineral- und Heilwasser ab. Das sind 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit baut Mineralwasser seine Führungsposition als das beliebteste Kaltgetränk der Deutschen weiter aus. „Mit Blick auf den gar nicht warmen Sommer 2012 ist dies ein erfreuliches Ergebnis“, kommentiert VDM-Geschäftsführer Stefan Seip die aktuelle Hochrechnung.

Am beliebtesten sind weiterhin Mineralwässer mit Kohlensäure (4,3 Milliarden Liter) sowie in der Variante mit wenig Kohlensäure (4,4 Milliarden Liter). Gemeinsam haben sie einen Marktanteil von 84,5 Prozent. Mineralwässer ohne Kohlensäure holen weiter auf: Ihr Absatz stieg 2012 um 12,1 Prozent auf 1,28 Milliarden Liter (Marktanteil 12,4 Prozent). Mineralwässer mit Aroma kommen auf 2,3 Prozent und Heilwässer auf 0,8 Prozent.
Neben Mineral- und Heilwasser füllte die Branche auch 3,43 Milliarden Liter Mineralbrunnen-Erfrischungsgetränke ab, also Limonaden, Schorlen, Brausen und Wellnessgetränke auf Basis von natürlichem Mineralwasser.

Der Verband Deutscher Mineralbrunnen vertritt national und international die politischen und wirtschaftlichen Interessen von mehr als 200 deutschen Mineralbrunnenbetrieben. Die zum Großteil mittelständisch geprägten deutschen Mineralbrunnen füllen über 500 verschiedene Mineral- und 40 Heilwässer sowie zahlreiche Mineralbrunnen-Erfrischungsgetränke ab. Mit rund 13.000 Arbeitnehmern sind sie wichtige Arbeitgeber der Ernährungsindustrie.

Zum Wasser-Absatz in der Gastronomie konnte der Verband keine Aussagen machen.

Interessante Zahlen für Gastronomen und ein Signal, der Mineralwasser- und Erfrischungsgetränke-Angebot noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

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