Food-Industrie will Medienberichte verhindern

Mitteilung von foodwatch:
Öffentliche Kritik an konkreten Produkten hat die Lebensmittelindustrie bisher nicht ernst genommen.
Nach den Zeiten der Ignoranz geht sie jetzt zu einer neuen Kommunikationsstrategie über: Sie übt Druck auf Medien aus. Etwa Jürgen Abraham, Schinkenproduzent und Chef der mächtigen Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE): Nach der Ausstrahlung der NDR-Talkshow „3nach9“ mit foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode über dessen Buch „Die Essensfälscher“ schrieb der Wirtschaftslobbyist einen „geharnischten Brief“ an den ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust, wie das Branchenblatt „Lebensmittel Zeitung“ berichtet. Abraham habe darin dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen vorgeworfen, sich an einer „Diffamierungskampagne“ gegen die Lebensmittelbranche zu beteiligen, was „ungeheuerlich und in einer ARD-Sendeanstalt nicht akzeptabel“ sei. Ein weiteres Beispiel: Einige Tage später hat ein Lebensmittelkonzern einen Fernsehsender noch während der Recherche bedrängt, von einer Berichterstattung über die Kritik an einem Produkt abzusehen. Ob sich die Unternehmen und Lobbyverbände mit dieser Strategie in Zeiten der Presse- und Meinungsfreiheit einen Gefallen tun? Jedenfalls zeigen die Fälle: Es bewegt sich etwas unter der Oberfläche. Ignorieren geht offenbar nicht mehr, jetzt versucht es die Industrie mit der Holzhammer-Methode, der öffentlichen Diskussion wird sie sich aber nicht mehr lange entziehen können.